Im großen Interview:
Die zwei Seiten der Andrea Petkovic

Spielerin, Finalistin, Turnierbotschafterin: Das waren die letzten beiden Wochen von Andrea Petkovic in Hamburg im Schnelldurchlauf! Zum Abschluss der Hamburg European Open haben wir uns „Petko“ mal ganz in Ruhe für ein ausführliches Interview zur Seite genommen und mit ihr über ihre Erfahrungen und Erlebnisse gequatscht.

Zwei Wochen Hamburg European Open, zwei Wochen Tennis – Du warst Spielerin und bist Turnierbotschafterin. Wie fällt Dein Fazit aus?

„Es war echt interessant. Als Spielerin hatte ich einen riesigen Druck, weil ich wusste, dass ich eigentlich das Finale spielen musste. Nur so wäre ich sicher im Hauptfeld der US Open gestanden. Das heißt, wir hatten einen großen Druck, bevor es überhaupt losging.

Dann habe ich meine Auslosung gesehen, die relativ hart war. In der ersten Runde gegen Anna-Lena Friedsam, was nie einfach ist, in der zweiten Runde Yulia Putintseva, was auch schwer ist. In der dritten Runde dann vielleicht Bernarda Pera, die dieses Jahr sehr, sehr gut gespielt hat. Da war viel Druck im Kessel. Ich habe es dann geschafft und war fix und fertig mit den Nerven und auch körperlich, weil ich direkt von Rasen kam.“

Wie ist das normalerweise bei Dir, wenn du zwischen zwei Belägen wechselst?

„Also eigentlich nehme ich mir dazwischen immer eine Pause, um ein paar Tage Gewöhnungstraining zu machen, auch im Gym zum Beispiel. Das war gar nicht der Fall. Ich musste mir sogar hier noch Sandplatzschuhe kaufen, weil ich eben seit Bad Homburg unterwegs war. So im Nachhinein war das aber ein super Abschluss. Wenn ich hier wirklich gewonnen hätte, hätten die Leute auch gefragt: Wer hat hier wen bezahlt, dass die Turnierbotschafterin auch noch gewinnt?“

Apropos Turnierbotschafterin: Wie ging es nach dem Finale für Dich weiter?

„Ich wurde quasi direkt ins kalte Wasser geschmissen. Wir haben ja nicht gewusst, dass ich bis ins Finale komme – so hatte ich dann keine Eingewöhnungszeit. Ich musste dann zwischen Terminen ins Alsterhaus rennen, um mir Klamotten zu besorgen, weil es plötzlich ungewöhnlich warm war. Ich hatte ja für England gepackt. Mit meinen Regenjacken kam ich da nicht mehr weit. Und dann ging es los, von einem Ding zum Nächsten.“

Was waren da so typische Aufgaben für Dich als Turnierbotschafterin?

„Am meisten Spaß hatte ich bei den Interviews mit den Spielern, weil ich da gemerkt habe, dass sie sich mir gegenüber öffnen und dass ich da Interesse habe, Fragen zu stellen. Ich musste mir da nichts aufschreiben und nichts nachlesen, weil ich von mir als Spielerin schon Interesse hatte und selbst neugierig war. Ansonsten hat es mir auch Spaß gemacht, einfach mal die andere Seite zu sehen und hinter die Kulissen zu schauen. Ich kannte ja schon ein bisschen die Medienseite, aber auch die Businessseite, die VIPs, dass Sponsoren wichtig sind, wie man mehr Publikum generieren kann, und so weiter.“

Was nimmst du von diesem Blick hinter die Kulissen besonders mit?

„Ich glaube, dass ich dadurch bescheidener werde, wenn ich demnächst auf Turniere komme. Ich weiß jetzt, was da für eine Arbeit dahintersteckt und wie viele Leute daran beteiligt sind.  Als Tennisspieler*innen sind wir da immer ein Stück weit egoistisch. Uns interessiert, wie wir spielen, welche Ergebnisse wir erzielen und sonst nichts. Dafür bin ich, glaube ich, in Zukunft ein wenig feinfühliger, dass Presse- und Medienarbeit eben auch wichtig ist, um das Turnier zu promoten, damit am Ende alle happy sind. Denn ohne die Turniere wären auch die Spieler*innen nicht da.“

Was hast Du für Feedback von den Spieler*innen bekommen?

„Meine Hauptaufgabe bei den serbischen Spielern war zum Beispiel Restaurant- bzw. Hotelreservierungen zu machen. Es scheint zu funktionieren. Ich fühle mich ein bisschen schlecht für Stefanos Tsitsipas, weil ich Krajinovic die letzten zwei Tage immer zu Restaurants geschickt und er scheint hier richtig gut zu spielen. Ich habe da echt gemerkt, dass Spieler da weniger Berührungsängste haben und eher mal direkt fragen, ob ich Tipps habe. Einfach so kleine Sachen, die ich beantwortet habe. Ganz viele wussten auch gar nicht, was ich hier eigentlich mache – dann habe ich das erklärt und sie fanden es echt cool, dass da eine Spielerin ist und niemand vom Turnier.“

Gab es irgendwas Überraschendes, was Du gar nicht erwartet hattest?

„Vielleicht nicht überraschend, aber ich dachte, dass ich noch mehr zum Tennis gucken komme. Das war fast gar nicht der Fall und man merkt es erst, wenn man hier von einem Ding zum Nächsten rennt. Ich dachte ja, dass mir von den Herren der Schöpfung noch was abgucken kann, aber keine Chance. Da gucken sie sich eher was von uns ab!“

 

 

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