Doppelte Freude

Das Leben von Andreas Mies und Kevin Krawietz hat sich am 8. Juni 2019 radikal geändert. Seit ihrem Triumph bei den French Open darf sich das deutsche Doppel „Grand-Slam-Sieger“ nennen. Es hat bestimmt zwei Wochen gedauert, bis wir es realisiert hatten“, sagt Andi Mies.

„Spektakulär, Technik“ – mit diesen Attributen würde Andreas Mies das Doppelspiel charakterisieren. Und Kevin Krawietz fügt hinzu: „Teamspirit“. Passt schon. Sie ergänzen sich offenbar wirklich perfekt – und nicht nur auf dem Tenniscourt. Am Montag stellte sich das Sensationsdoppel im „Cliff“ an der Außenalster den Hamburger Medien vor, so, wie sie es schon x-Mal gemacht hatten nach ihrem unglaublichen und doch so realen Triumph. Für die Fotografen schubsten sie auf einem Bootssteg einen Ball volley hin und her, beantworteten freundlich und geduldig alle Fragen. „Ob wir es schon realisiert haben“, sei die häufigste Frage bislang gewesen seitdem. Und?

Ganz einfach kann das alles nicht sein, aber natürlich trotzdem krass gut. Für die Australian Open hatten sie sich nicht einmal qualifiziert. Vor 18 Monaten fanden sie erst zusammen, richteten sich auf einen geduldigen Weg ein – zwei talentierte Tennisspieler im Alter von 28 und 27 Jahren, deren Traum von der großen Einzelkarriere aus unterschiedlichsten Gründen geplatzt war. Also Doppel, da könnte was gehen. Und dann in Paris: Bumm!!! „Die Rasensaison kam danach ein bisschen zu schnell“, gibt Krawietz zu.

Ein Match gewonnen haben sie nämlich seit dem magischen Nachmittag in Roland Garros nicht mehr. Drei Spiele, drei Niederlagen. Aus den Nobodies sind die Gejagten geworden, „die Gegner sind jetzt auch motivierter.“ Das wird auch für den Tschechen Roman Jebavy und Matwe Middelkoop (Niederlande) gelten, auf die sie in der ersten Runde bei den Hamburg European Open treffen. „Wir müssen in unsere neue Rolle hineinwachsen und noch eine Schippe drauflegen“, sagt der Kölner Andi Mies – der ohnehin mehr spricht als sein bayerischer Partner.

Wie es manchmal so ist, ergänzen sich unterschiedliche Charaktere zu einem guten Ganzen. „Wenn wir uns nicht auch privat so gut verstehen würden, würden wir nicht zusammen spielen“, meinen beide. „Ach was, es ist eine reine Geschäftsbeziehung“, sagt Krawietz. Und lacht. Ist das also auch geklärt.

Natürlich hoffen beide, das Doppel nun auch ein bisschen aus seinem Nebenplatz-Versteck zu holen. Auch dafür stellen sie sich im Hamburger Nieselregen an die Alster und bringen einen Tennisschläger mit. „Wir versuchen schon, Werbung für das Doppel zu machen“, erklärt Mies. Und wieder ergänzt Kevin Krawietz und versenkt die Vorlage wie einen Volley am Netz: „Leider promotet die ATP Doppel nicht so stark.“

Am Rothenbaum ist das nun anders. Hier ist ja auch noch das erfolgreiche Daviscup-Duo Tim Pütz und Jan-Lennard Struff am Start, das normalerweise nicht auf der Tour gemeinsam antritt. Die beiden starten gegen die Deutschen Daniel Altmeier und Johannes Haerteis ins Turnier. Frühestens im Finale könnte es zum direkten Duell kommen. Und natürlich denkt jeder beim Gedanken daran den Daviscup mit, dessen Finale im November in Madrid ausgetragen wird. Wer spielt denn da für Deutschland? „Das“, sagte Kevin Krawietz, „ist die Frage, die uns am zweithäufigsten gestellt wird.“

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